Reiseberichte

Italien: Venedig in Corona-Zeiten

Enges Gedränge, lange Schlangen, überfüllte Restaurants und überlaufene Gassen. Dieses Bild haben wohl viele Menschen direkt im Kopf, wenn sie an die Lagunenstadt denken.

Venedig ist in den letzten Jahren der Inbegriff für den Overtourism geworden. Die Stadt zählte in den vergangenen Jahren über 19 Millionen Übernachtungen und über 30 Millionen Touristen – und das jährlich. Täglich legten Kreuzfahrtschiffe mit tausenden Menschen an, die sich neben den Tagestouristen ihren Weg durch die Menschenmassen bahnten. Ein Bild von Venedigs berühmtester Rialtobrücke ohne andere Menschen zu schießen, war unmöglich. Und auch ein einfacher Spaziergang über den Markusplatz stellte sich durch die vielen Touristengruppen als ein schwieriges und anstrengendes Unterfangen dar. Um dem majestätischem Dogenpalast einen Besuch abzustatten, musste man sich einer lange Wartezeit aussetzten. Spontan einen Tisch in einen der vielen Restaurants und Bars zu bekommen, das konnte man ebenfalls vergessen. Eine Reise nach Venedig offenbarte sich vielmehr als eine Gedulds- sowie Nervenprobe. Von einem entspannten Städtetrip konnte keine Rede sein. 

Und dann kam Covid-19 und veränderte alles.

Italien war neben den EU Ländern Spanien und Frankreich, am stärksten betroffen. Landesweit wurde eine Ausgangsperre ausgerufen, auch in Venedig. Ganz Italien wurde zur Sperrzone erklärt. 

Kurz darauf kursierten Bilder von leeren Metropolen, wie Mailand und Rom im Internet und auch Venedig sorgte für internationale Schlagzeilen. Das Wasser war so klar und sauber wie zuletzt vor Jahrzehnten. Die Stadt schien so leer und schön wie schon lange nicht mehr. Die Bilder zeigten leere Gassen, friedliche Kanäle und keine Menschenseele. Ein totales Kontrastbild zu den sonstigen Aufnahmen der Lagunenstadt. 

Anfang Juni wurden dann die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben und seit dem 03. Juni sind touristische Reisen nach Venedig wieder möglich. 

So entschieden wir uns Anfang August spontan dazu in die noch verschlafene Hafenstadt zu fahren und uns selbst ein Bild von den leeren Gassen und Straßen zu machen. Unsere Einreise planten wir mit dem Auto. Da wir zuvor in Kroatien unterwegs waren, lag Venedig auf unserem Weg zurück in die Heimat. Von Istrien ging es über die slowenische Grenze, nach Italien. 

Mit welchen Beschränkungen muss man rechnen?

Die zweiwöchige Quarantänepflicht ist schon vor einer ganzen Weile aufgehoben worden. Auch nach der Ausreise aus Italien besteht aktuell keine Quarantänepflicht. Trotzdem gelten ähnliche Regeln und Maßnahmen zur Eindämmung wie in Deutschland.

In Restaurants und Museen, sowie Hotels und Geschäften besteht eine Maskenpflicht. Die Wasserbusse dürfen ebenfalls nur mit Maske betreten werden. Einige Hotels und Museen, wie der Dogenpalast messen vor dem Eintritt die Temperatur und können ab einer Temperatur von 37,5 Grad den Eintritt verweigern. In manchen Fällen kann die Gesundheitsbehörde zusätzlich informiert werden. Das gewohnte Frühstücksbuffet fällt in Hotels und B&B leider weg. Stattdessen wird man vom Platz aus versorgt, oder man bekommt abgepacktes Fertigessen. Auch in Italien gilt eine Abstandspflicht, jedoch nur von einem Meter. Aktuell lässt sich diese auch gut einhalten. Vermutlich wird sich das schnell ändern sobald der Tourismus wieder komplett hochgefahren ist und weitere Touristen das Land besuchen. Gegen Verstöße der Regeln kann ein Bußgeld von 400- 3000 € verhängt werden. Es gibt jedoch keine eindeutigen und einheitliche Regelungen bei Verstößen gegen die Maßnahmen. 

„Die Stadt atmet auf.“

Diesen Satz haben wir schon öfters im Zusammenhang mit Venedig und der Pandemie gehört. Und so ist es tatsächlich. Venedigs Strassen sind deutlich sauberer und leerer als zuvor. Durch das Wegfallen der hunderten Touristenströme, kann man sich frei und unbeschwert durch die venezianischen Gassen bewegen.

Wir machten einen entspannten Spaziergang  über den Markusplatz, ohne angerempelt zu werden oder zügig über die Piazza zu hetzen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. Zwischendurch konnte man einfach mal stehen bleiben und den besonderen Flair der Stadt wahrnehmen. Auch an anderen Wahrzeichen Venedigs, wie der Rialtobrücke oder der Seufzerbrücke, konnten wir eine Pause einlegen, das klare Wasser, die kleinen Boote und die Sonne genießen.

Viele Geschäfte werben mit hohen Sales und hoffen so auf Kundschaft. Auch die Gondoliere werben mit Sonderpreise, um Kunden auf ihre Boote zu bekommen. Aktuell sind wohl nur die Hälfte aller Gondolas, die es in Venedig gibt, im Einsatz. So günstig wie in diesen Tagen, werden die Preise für eine romantische Fahrt auf Venedigs Kanälen wohl nie wieder sein.  

Mittags wird die Menschenschlange zum Dogenpalast etwas länger. Dennoch ist es kein Vergleich zu den sonstigen Warteschlangen. Man bekommt sogar spontan in den berühmten Restaurants und Bars, um die Piazza herum, einen Tisch. Für einen Kaffee hier, zahlt man immer noch ein kleines Vermögen. Entgegen der sonst üblichen Preiserhöhung, sind die Preise allerdings konstant geblieben.

Attraktion oder Lostplace?

Das Disneyland von Italien ist verstummt und verlassen. Man könnte hier beinahe von einem Lost Place reden, den die Venezianer und Italiener überwiegend für sich alleine haben. Viele Italiener nutzen die Gunst der Stunde, um der sonst überfüllten Lagunenstadt einen Besuch abzustatten.

Von dem sonstigen Overtourism merkt man in der Stadt aktuell nichts. Dennoch könnte sich das in der nächsten Zeit ändern, sobald Flugverbindungen aus aller Welt nach Venedig wieder möglich sind und die großen Schiffe wieder anlegen. Bis dahin kann man die Stadt vor allem neben anderen Deutschen, Franzosen und Niederländern völlig entspannt und gleichmütig erkundigen.

Die meisten Einwohner leben vom Tourismus und sind durch die Corona Krise an ihre finanziellen Grenzen gekommen. Daher hoffen viele Venezianer, dass wieder mehr Touristen in die Stadt reisen, um weiterhin eine Lebensgrundlage zu haben.

Lohnt sich eine Venedig-Reise in 2020?

Es gab nie einen besseren Zeitraum um in die Lagunenstadt zu reisen! Die Bedingungen waren nie besser, um der Stadt einen Besuch abzustatten.

Die Hotelpreise sind niedriger im Vergleich zu den letzten Jahren und auch sonst kann man Venedig preislich gesehen wohl kaum wieder so günstig erleben, wie in diesen Tagen. Die Venezianer hoffen, dass der Tourismus wieder hochfährt. Einigkeit besteht jedoch in einem Punkt auf jeden Fall. Es sollen nicht so viele Touristen wie vor der Pandemie kommen. Aber auch nicht zu wenige Touristen, wie es aktuell der Fall ist.

Wissenswert ist außerdem, dass die Stadt eigentlich im Juli 2020 eine Einreisegebühr, in Form eines Tagestickets, erheben wollte. Aufgrund der Pandemie, wurde diese um ein Jahr verschoben und wird nun 2021 für jeden Touristen fällig.

Wir können eine Reise nach Venedig in 2020 auf jeden Fall empfehlen. Diese leeren und verlassenen Straßen, und Kanäle sind unvergesslich!

Trotz allem ist natürlich Vorsicht geboten, um sich und andere Menschen nicht zu gefährden. Aus diesem Grund, sollten die Hygiene- und Schutzmaßnahmen vor Ort eingehalten werden. Die aktuellen Maßnahmen finden sich auf Auswärtiges Amt, deutsch italienischen Botschaft und dem ADAC.

Valentina Faulenbach

Hi! Ich bin Valentina, 18 Jahre alt und studiere Innenarchitektur. In meiner Freizeit widme ich mich künstlerischen Tätigkeiten und Sport. Reisen bedeutet für mich Freiheit. Instagram

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